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Die Samstags-Gruppe

Argumentationen zur Information der Bürger im Zuge des Bürgerbegehrens

17.01.2016 – v01 - zusammengefasst von Susanna Oberdorfer-Bögel

 

„Die Stadt der Geburt hängt dem Leben als etwas ebenso Einzigartiges an wie die Herkunft von der leiblichen Mutter. Auch der Geburtsstadt verdanken wir einen Teil unseres Wesens.“ Albert Einstein 

  1. Die fehlende Wirtschaftlichkeit der Geburtshilfe ist keine Illertisser Besonderheit. Sie betrifft aufgrund der derzeitigen Vergütungsstruktur der Gesetzlichen Krankenversicherung nahezu alle Geburtshilfeabteilungen in Deutschland. Es ist schlicht so gut wie unmöglich, diese „gewinnbringend“ zu betreiben. Dies wird genauso wenig gelingen, wenn die Geburtshilfe sich allein auf Neu-Ulm konzentriert.
  2. Was die personelle Situation anbelangt, wird die Illertisser Entbindungsstation sogar wesentlich weniger kostenintensiv betrieben als die Neu-Ulmer, wo derzeit bei nur 250 Geburten mehr, zwei Chefärzte und acht Oberärzte beschäftigt sind (Illertissen hat ein sog. Belegarztsystem ohne festangestellte Ärzte und Hebammen).
  3. Die Illertisser Hebammen sind mehrheitlich bereits seit Jahrzehnten für die Schwangeren der Region im Einsatz. Sie sind für ihren besonderen Erfahrungsschatz und ihren Einsatz für das Wohl der werdenden Mütter bekannt. Aufgrund des Belegsystems würden die Hebammen von heute auf morgen einen Großteil ihrer Existenzgrundlage verlieren.
  4. Krankenhäuser sind Einrichtungen der Daseinsvorsorge, d. h. der grundlegenden Versorgung der Bevölkerung mit existentiellen Gütern oder Dienstleistungen. Niemand würde etwa die Notwendigkeit einer Feuerwehr in Frage stellen. Diese grundlegende Versorgung der Bürger wäre, was die Geburtshilfe betrifft, im Falle einer Schließung der Illertisser Abteilung nicht mehr gewährleistet, wenn zwischen Memmingen und Neu-Ulm bzw. zwischen Krumbach und Biberach ansonsten keine Entbindungsstation mehr vorhanden ist und damit Entfernungen von bis zu 60 km überbrückt werden müssen, während in Neu-Ulm/Ulm zwei geburtshilfliche Stationen innerhalb von 2 km sind.
  5. Für werdende Mütter ist es besonders nützlich, dass Hebammen und Frauenärzte so eng verzahnt arbeiten und den Schwangeren in der Regel schon vor der Geburt bekannt sind. Das gibt Sicherheit und ein gutes Gefühl und ist für viele Gebärende ein wesentliches Entscheidungskriterium für eine Geburt hier am Ort.
  6. Bei einem Wegfall der örtlichen Geburtshilfe werden einige Gebärende aufgrund der Verkehrssituation Ulm oder Memmingen nicht mehr erreichen. Das medizinische Risiko für das Ungeborene bzw. Neugeborene steigt beträchtlich. Und es ist schlicht nicht schön, wenn das Leben nicht in einem beschützten Rahmen beginnt, sondern im Rettungswagen auf der Autobahn.
  7. Nicht alle Gebärenden werden im Falle einer Schließung in Neu-Ulm entbinden. Aus dem südlichen Landkreis werden viele Frauen nach Memmingen abwandern, so dass die Stiftungskliniken für diese Patientinnen überhaupt keine Erlöse mehr erzielen werden.
  8. Das gesamt Team unserer Geburtshilfe gilt als besonders engagiert, fürsorglich und kompetent. Die Arbeitsplätze dieser motivierten Truppe werden aus unserer Sicht mit der jetzigen Diskussion zu leicht und fahrlässig zur Disposition gestellt.
  9. Darüber hinaus ist fraglich, ob Neu-Ulm und gerade auch Memmingen so kurzfristig überhaupt so viele Gebärende auffangen kann oder nicht selbst aufgrund stetig steigender Geburtenzahlen an der Kapazitätsgrenze angelangt ist. Das Klinikum Memmingen hat in den vergangenen beiden Jahren nur mit größter Kraftanstrengung sein Defizit von knapp vier Millionen Euro in 2013 auf etwas über zwei Millionen Euro in 2014 senken können. Es stellt sich die Frage, inwieweit das Klinikum Memmingen aus wirtschaftlicher Sicht überhaupt an einem Ausbau der Geburtshilfe in größerem Umfang interessiert ist.
  10. Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine „Entweder-Oder“-Entscheidung. D. h. ein Erhalt der Illertisser Abteilung würde den Erhalt der Neu-Ulmer Geburtshilfe nicht gefährden.
  11. Die Illertisser Geburtshilfe hat einen exzellenten Ruf, auch kreisübergreifend. Gerade die renommierteste Abteilung mit der größten Strahlkraft zu schließen, wird schon kurz bis mittelfristig dann noch verbleibenden Haus schaden und ein schnelles Sterben auf Raten der Illertisser Klinik besiegeln.
  12. Politik und Krankenhausleitung beziehen sich in ihren Überlegungen auf ein aktuelles Gutachten, das vom selben Gutachter erstellt wurde, der die Kliniken auch schon 2003 unter die Lupe nahm und damals zu dem Schluss kam, dass die Illertisser Geburtshilfe erhaltenswert bzw. sogar auszubauen ist. Die aktuellen Pläne sind also eine „Drehung um 180 Grad“.
  13. Kliniken sind lediglich zum wirtschaftlichen Handeln angehalten, sie müssen jedoch nicht per se gewinnbringend arbeiten. Das heißt, solange eine Geburtshilfeabteilung in Illertissen von Politik und Klinikleitung, und vor allem von den Bürgern als Souverän gewünscht ist, muss es innerhalb eines Klinikverbundes auch möglich sein, dass Abteilungen mit besserem wirtschaftlichen Ergebnis die schwächeren stärken.
  14. Die Geburtshilfestation wurde erst 2008 neu bezogen. Dem Bürger bzw. Wähler erschließt sich nicht, warum eine so ansprechende, moderne und gut ausgestattete Station nach wenigen Jahren schon wieder geschlossen werden soll. Hier werden öffentliche Gelder schlicht verschwendet.
  15. Kliniken erhalten vom Freistaat Bayern Fördermittel unter anderem für bauliche Investitionen. Die Regierung kann Fördermittel bis zu 15 Jahre lang zurückfordern, wenn innerhalb dieser Zeit ein geförderter Bereich geschlossen wird. D. h. im Fall einer Schließung müssen aller Wahrscheinlichkeit nach erst einmal Fördermittel in beträchtlichem Umfang zurückbezahlt werden.
  16. Illertissen als Stadt bzw. attraktiver und lebenswerter Wohnort wird durch die Schließung der Geburtshilfeabteilung und einem damit einhergehenden Sterben auf Raten des Krankenhauses zunehmend geschwächt.